#Inter*

Inter* (oder Intergeschlechtlichkeit) bezeichnet das Vorhandensein angeborener körperlicher Merkmale, die nicht in die gesellschaftliche und medizinische Norm von ‚männlichen‘ und ‚weiblichen‘ Körpern passen. Das kann hinsichtlich der Chromosomen, der Keimdrüsen, der Hormonproduktion und der Genitalien der Fall sein. Auch andere Merkmale wie Behaarung, Muskeln, Körpermasse, Brustentwicklung, Stimme und Statur spielen eine Rolle.

Der Gegenbegriff zu inter* ist endo(geschlechtlich). Endo* Menschen werden gemäß der medizinischen Interpretation als eindeutig weiblich oder männlich eingeordnet. Dass ein Mensch inter* ist, kann in der Schwangerschaft, nach der Geburt, in der Pubertät oder viel später erkannt werden. Es kann auch unbemerkt bleiben. So unterziehen sich bspw. die wenigsten Menschen einem Chromosomentest und wissen daher gar nicht, welchen ‚Geschlechtschromosomensatz‘ sie haben.

Die Zahlen dazu, wie viele Menschen inter* sind, variieren stark. Wissenschaftliche Schätzungen gehen von einem Anteil an der Gesamtbevölkerung zwischen 0,02 und 1,7% aus (inter-nrw.de). Ausgehend von Letzterem bedeutet dies, dass es in Deutschland etwa so viele inter* Menschen gibt wie rothaarige Menschen (welt.de) und der Anteil von inter* Geburten nahezu dem Anteil von Zwillingsgeburten (1,8%; Statistisches Bundesamt 2019) gleichkommt.

Inter* ist keine Krankheit!
Es gibt viele mögliche Ausprägungen körperlicher Geschlechtsmerkmale und auch, was überhaupt als körperliches Geschlechtsmerkmal verstanden wird. Endo* Körper sind Variationen, wie Körper sich entwickeln, inter* Körper sind andere Variationen – und alle sind gleichwertig. Manche Variationen können mit spezifischen Gesundheitsrisiken einhergehen. Inter* ist aber nicht per se behandlungsbedürftig! Die Medizin verwendet den Sammelbegriff ‚Varianten der Geschlechtsentwicklung‘ (englisch: DSD (Disorders/Differences of Sex Development). Dabei handelt es sich um eine Diagnose, die den Eindruck vermittelt, etwas sei mit dem Körper von inter* Menschen nicht richtig, er sei ‚gestört‘ und müsse behandelt werden. Besser kann von ‚Variationen der körpergeschlechtlichen Merkmale‘ gesprochen werden.

Menschenrechte
In den 1960ern verankerte sich ein systematischer medizinischer Umgang mit inter* Neugeborenen, der bis heute anhält: Das aus medizinischer Sicht als mehrdeutig interpretierte Körpergeschlecht wird chirurgisch an ein Normgeschlecht angepasst. Diese geschlechtszuweisenden Eingriffe wurden und werden meist ohne persönliche, freie, vorherige und vollständig informierte Einwilligung (informed consent) der inter* Person selbst durchgeführt und gelten als Menschenrechtsverletzungen. Die Zahlen der kosmetischen Operationen an Genitalien gesunder Kinder, die nicht den Erwartungen der Medizin und Gesellschaft entsprechen, scheinen gleich zu bleiben, zumindest für den Zeitraum 2005-2016 (Hoenes, Januschke, Klöppel 2019); Trotz der Bemühungen von Organisationen und Aktivist*innen. Ein kleiner Erfolg ist beim Personenstand zu verzeichnen: Seit 2013 kann der Geschlechtseintrag offen gelassen werden, seit Ende 2018 gibt es den Geschlechtseintrag ‚divers‘.

Inter* – Wofür steht das Sternchen?
Der Begriff und die Schreibweise ‚Inter*‘ stammt aus dem menschenrechtsorientierten Aktivismus intergeschlechtlicher Menschen. ‚Inter*‘ wird als Oberbegriff für inter* Menschen verwendet und umfasst andere Selbstbezeichnungen. Generell steht das Sternchen für die vielfältigen Selbstbezeichnungen und Möglichkeiten inter* zu sein. Manchmal findet auch der Begriff ‚Intersexualität‘ Verwendung. Er entstammt jedoch einem biologisch/medizinischen Bereich und wird von vielen inter* Menschen als pathologisierend abgelehnt. Für eine Auswahl inter*relevanter Begriffe empfehlen wir Dir die Broschüre Inter* und Sprache von OII Germany.

Inter* als Identität?
Mindestens so vielfältig wie die Art, sich als inter*Person selbst zu benennen, sind die Formen, sich als inter* Mensch geschlechtlich zu fühlen und zu leben. Inter* kann eine Geschlechtsidentität sein, muss es aber nicht. Inter* Menschen können auch eine männliche, weibliche, trans* oder andere Identität haben. So leben bspw. manche inter* Menschen als Frau, manche als Mann und manche finden keins von beidem oder aber beides für sich passend.

Du möchtest mehr über Inter* erfahren?
Die FUMA entwickelt im Projekt #BIT* | Basics Inter* und Trans* einen digitalen Selbstlernkurs, in dem pädagogische Fachkräfte sowie alle Interessierte Basiswissen zu Trans* und Inter* erlernen können.

Bis der Kurs fertig ist, kann Dir die https://inter-nrw.de/ Website helfen, Dich zu informieren.

 

Literatur:
Hoenes, Josch; Januschke, Eugen; Klöppel, Ulrike (2019): Häufigkeit normangleichender Operationen „uneindeutiger“ Genitalien im Kindesalter. Follow Up‐Studie. Ruhr-Universität Bochum. Doi 10.13154/rub.113.99

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