#sexarbeit

Sexarbeit ist jede Form von sexueller Dienstleistung gegen Entlohnung. Dazu zählen Tätigkeiten in der Sexindustrie, insbesondere als Prostituierte, aber auch als Domina, Pornodarsteller_in, Stripdancer_in, im Escort-Service oder in der Erotik-Massage.

Bei der Sexarbeit wird grundsätzlich davon ausgegangen, dass Frauen und Männer ihrer Tätigkeit freiwillig und ohne Zwang nachgehen. Insofern ist die Sexarbeit von der Zwangsprostitution abzugrenzen und nicht mit Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung gleichzusetzen.

Sexarbeit wird in feministischen und politischen Kreisen seit vielen Jahren sehr kontrovers diskutiert. Medial wird die Diskussion schnell moralisch, aber auch die politischen Positionen liegen zum Teil weit auseinander. Im Mittelpunkt stehen dabei Fragen wie:

  • Ist Prostitution immer Ausübung von Gewalt, da Frauen und Männer und ihre Körper zu käuflichen Objekten werden?
  • Ist Prostitution ein Beruf wie jeder andere?
  • Ist Prostitution überhaupt freiwillig auszuüben oder entsteht sie immer unter Zwang, z.B. aus ökonomischen Zwängen?
  • Kann und muss Prostitution abgeschafft werden?

Deutsches Prostitutionsgesetz

Die deutsche Rechtsprechung zur Prostitution gilt als eine der liberalsten Prostitutionsgesetzgebungen Europas: 2002 sollte mit dem Prostitutionsgesetz die rechtliche Situation der Prostituierten verbessert werden. Die bis dahin geltende Sittenwidrigkeit der Prostitution wurde abgeschafft, Prostitution anderen beruflichen Tätigkeiten gleichgestellt. Prostituierte haben damit unter anderem das Recht, ihren Verdienst einzuklagen und sozialversichert zu sein. 2017 wurde das Gesetz um das Prostituiertenschutzgesetz erweitert, in dem vor allem der Gesundheitsschutz in Form verpflichtender Untersuchungen und Kondompflicht festgeschrieben wurden.

Schwedisches Sexkaufverbot

Die Frage: Ist Prostitution mit Frauen- bzw. Menschenrechten vereinbar? wird in Schweden eindeutig mit Nein beantwortet. Seit 1999 gilt hier, dass Sexkauf verboten ist. Der entscheidende Perspektivwechsel: Angezeigt wird nicht die Arbeit der Prostituierten, sondern das Verhalten von Freiern. Auch wer Sexarbeit unterstützt oder von ihr profitiert, etwa durch das Vermieten einer Wohnung, macht sich strafbar. Das Ziel der schwedischen Rechtssprechung ist die Abschaffung von Prostitution, weil diese, so die Überzeugung, Gewalt gegen Frauen ist.

„Frauen sind weder Objekt noch käuflich“

In der Debatte um Prostitution stehen sich im Kern also zwei Positionen gegenüber, die sich auch in diesen unterschiedlichen Rechtsprechungen zeigen: Diejenigen, die Prostitution grundlegend ablehnen und abschaffen wollen. Und diejenigen, die sie für einen Beruf halten, der wie andere Berufe auch, entsprechend frei ausgeübt und rechtlich geschützt sein muss.

„Nirgends zeigt sich das Geschlechterverhältnis so deutlich wie bei käuflichem Sex, und nirgends wird das so konsequent verleugnet. Der Ansatz, die Frauen mit der Legalisierung nicht länger kriminalisieren zu wollen, hat nichts gebracht, profitiert haben nur die Freier und eine hochkriminelle Parallelgesellschaft. Und gesellschaftlich gesehen heißt die Legalisierung nichts anderes als: Es ist in Ordnung, den Körper einer Frau zu kaufen und eine Frau zu benutzen. Die schwedische Idee, den Freier strafrechtlich zu verfolgen, ist sinnvoller, weil es klar macht: Frauen sind weder Objekte noch käuflich.“ („Die sexuell selbstbestimmte Frau ist eine Fata Morgana“, Interview mit der Psychologin und Autorin Sandra Konrad https://mobile2.tagesanzeiger.ch/articles/5a510090ab5c373370000001)

„Warum meinen alle zu wissen, wie sich unsere Arbeit anfühlt?“

Vertreter_innen der Position, dass Prostitution zu einer Gesellschaft dazugehöre, gibt es viele – mit ganz unterschiedlichen Motivationen.

Die älteste Selbstorganisation von Prostituierten in Deutschland ist der Verein HYDRA e. V. (http://www.hydra-berlin.de/), er wurde 1980 als erste autonome Hurenorganisation Deutschlands in Berlin gegründet. Ihr Anliegen war sowohl die Lobbyarbeit für die Sexarbeiter_innen, aber auch deren Beratung und Unterstützung.

Nach dem Vorbild von HYDRA wurde viele weitere lokale Vereine gegründet, darunter HWG (Huren wehren sich gemeinsam) in Frankfurt (1984-1999), Kassandra e. V. in Nürnberg (seit 1987), Nitribitt e.V. in Bremen (seit 1987), Phoenix e.V. in Hannover (seit 1989), Madonna e.V. in Bochum (seit 1991). Die noch bestehenden Projekte, die wie HYDRA öffentlich geförderte Beratungsstellen unterhalten, sind zusammen mit anderen Fachberatungsstellen für Sexarbeiter_innen im Dachverband Bufas e.V. (http://www.bufas.net/) zusammengeschlossen.

Frauen und Männer, die mit Sexarbeit Geld verdienen, sind unter anderem im Bundesverband erotische und sexuelle Dienstleistungen e.V. (https://berufsverband-sexarbeit.de/) organisiert. Deren Ziel ist es, Interessen von Sexarbeiter_innen in der Öffentlichkeit zu vertreten. So lehnt der Verband u.a. die Pflicht zur Registrierung, eine Kondompflicht oder auch das schwedische Modell der Freierbestrafung ab.

  • Was denken wir wirklich über unseren Beruf?
  • Warum meinen alle zu wissen, wie sich unsere Arbeit anfühlt?
  • Warum meinen so viele zu wissen, was für uns am besten ist?
  • Was würde uns wirklich die Arbeit erleichtern?

(https://berufsverband-sexarbeit.de/index.php/wir-ueber-uns/)

Weitere #wissenslücken:

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