#Polyamorie

Polyamorie bedeutet, mehr als eine Person zur selben Zeit zu lieben und sexuelle Beziehungen zu haben. Das Wort Polyamorie ist zusammengesetzt aus den griechischen Wörtern poly für viel und amor für Liebe und bedeutet also „Vielliebe“.
Das Wissen und das Einverständnis aller Beteiligten ist eine zentrale Voraussetzung für polyamore Beziehungen. Polyamorie ist also nicht Fremdgehen, sondern bezeichnet unterschiedlich offene und vertrauensvolle Beziehungs- und Lebensformen als Alternative zur exklusiven monogamen Zweierbeziehung.

Anders leben – nicht monogam
Dass Menschen nicht monogam in Zweierbeziehungen leben, ist erst einmal nichts Neues. Das hat es zu allen Zeiten und in vielen Kulturen mehr oder weniger offen oder erlaubt gegeben.

Als Begriff gibt es Polyamorie seit den 1990er Jahren. Die Amerikanerin Morning Glory Zell-Ravenheart prägte den Begriff und damit die Auseinandersetzung über das „Konzept Polyamorie“.
In vielen Ländern gibt es polyamore Gemeinschaften, Kommunen oder auch Netzwerke, die zeigen, dass Polyamorie in ganz unterschiedlicher Weise gelebt werden kann.

Kritik am Mono-Normativen
Als Bewegung wird Polyamorie auch in Deutschland zunehmend sichtbar durch Vernetzung, Aktionen und Publikationen. (www.polyamorie.de)
Die Bewegung widersetzt sich der in vielen westlichen Gesellschaften vorherrschenden Moral- und Rechtsauffassung, es könne nur einen Liebens- und Sexualpartner geben. Damit übt sie auch in politischer Hinsicht Kritik an der entsprechenden Mono-Normativität.

Von der so genannten Freien Liebe, wie sie etwa in den 1960er Jahren Teil einer gesellschaftskritischen Haltung war („Wer zwei Mal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment“), unterscheidet sich die Polyamorie aber durchaus. Es geht ihr um verbindliche, vertrauensvolle und auch langfristige Liebesbeziehungen.

 

Vielfältig lieben – mit klaren Vereinbarungen
Polyamore Beziehungen können ganz unterschiedliche Formen annehmen. In der Poly-Community werden zunächst drei Kategorien unterschieden. http://www.polyamorie.de/verschiedene-arten-von-poly.html

  • Es gibt eine*n Primärpartner*in, mit dem oder der zum Beispiel die Wohnung geteilt wird oder es gemeinsame Kinder gibt. Daneben gibt es weitere Sekundär-Partner*innen. Diese Lebensform entspricht dem Modell der offenen Zweierbeziehung.
  • Es gibt mehrere Primärpartner, also eine gleichberechtigte Dreier-, Vierer- oder Mehrfachbeziehung. Alle Partner*innen leben unter einem Dach, als die häufigsten Formen werden die Triade (zwei Frauen/ein Mann oder zwei Männer/eine Frau) oder die Quadrille bzw. Quad genannt (zwei Männer/ zwei Frauen) genannt. Die Gruppen-Treue, die hier gefordert ist, wird im englischsprachigen Raum Polyfidelity genannt.
  • Es gibt keine*n Primärpartner*in, aber mehrere Sekundär*Partner*innen. Dies wid auch als Modell der Poly-Singles bezeichnet.


Vielfältig lieben, aber nicht heiraten
Polyamorie ist in den meisten europäischen Ländern, in denen es ein Recht auf sexuelle Selbstbestimmung gibt, legal. Allerdings bleibt die Mehrehe (polygamie) in den meisten Ländern verboten. Auch das Ehe- und Familienrecht in Deutschland bildet nach wie vor die herrschende Norm der Monogamie ab.

In Kolumbien wurde im Juni 2017 die erste Dreierbeziehung des Landes – unter drei Männern – notariell beglaubigt. Dies ist keine Ehe im eigentlichen Sinn, aber durchaus eine Form der rechtlichen Anerkennung. http://orf.at//stories/2395252/


Alternativen zeigen: Flagge und Schleife
Das Symbol der polyamoren Bewegung ist übrigens eine Flagge oder auch Schleife mit drei gleich große Balken in blau, rot und schwarz. Blau steht für Offenheit und Ehrlichkeit zwischen den Partner*innen, rot steht für Liebe und Leidenschaft, schwarz zeigt Solidarität mit den Menschen, die ihr polyamores Empfinden nicht leben können. In der Mitte der Flagge steht ein goldenes π (pi) für Polyamorie und große Gefühle.

Weitere #wissenslücken:

#Lookismus

#Inter*

#Trans*

#MeTwo

#crossdressing

#bodyshaming