#Empowerment

Empowerment ist ein Prozess, in dem strukturell benachteiligte Menschen ihre eigenen Kräfte entwickeln und ihre Fähigkeiten nutzen, um an politischen und gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen teilzuhaben.
Ziel ist dabei, die eigenen Lebensumstände und Entwicklungsmöglichkeiten zu verbessern. Der Begriff Empowerment meint also die individuelle und kollektive Selbstermächtigung von Menschen mit Diskriminierungserfahrungen.

Woher und Warum?
In Deutschland wurde Empowerment von und für People of Color mehrheitlich durch die politische Schwarze (feministische) Bewegung der 80er und 90er Jahre geprägt. Hier haben sich Menschen, die von Unterdrückungssystemen betroffen waren, solidarisiert und Strategien entwickelt, um in ihrer jeweiligen Situation (wieder) handlungsfähig(er) zu werden. Die Empowerment-Arbeit fokussiert die Stärkung der einzelnen Person ebenso wie die Bedürfnisse ganzer Communities, die aufgrund von struktureller Benachteiligung von vielen Bereichen der gesellschaftlichen Teilhabe ausgeschlossen sind. Die (Wieder-)Erlangung der eigenen Macht und die damit verbundene Befreiung aus der Ohnmacht sind wesentliche Ziele.

Was kann Empowerment?
Je nach Bedürfnis, Erfahrung oder Kontext kann der Empowerment-Prozess für jeden Menschen und jede Gruppe unterschiedliche Inhalte und Formen annehmen. Zentral können dennoch folgende sechs Punkte festgehalten werden:

Empowerment…

  1. … ist nicht defizitorientiert und setzt auf die Möglichkeiten der Betroffenen.
  2. … ermöglicht in Räumen zu sein, in denen Diskriminierungserfahrungen, Schmerz, Wut, Trauer und  Verletzung ausgetauscht werden können und Anerkennung finden.
  3. … macht marginalisierte Stimmen und Perspektiven sicht- und hörbar.
  4. … lässt Kraft schöpfen und eigene Potenziale entwickeln.
  5. … setzt auf Vernetzung und Erweiterung von Handlungsspielräumen.
  6. … ist ein Kampf um Ressourcen und politische Teilhabe.

Strukturen spielen eine Rolle
Wie kann Empowerment in der pädagogischen Arbeit aussehen und wie können pädagogische Fachkräfte Betroffene empowern? Diese Frage ist pauschal nicht zu beantworten. Besonders ist hier klarzustellen, dass ein Mensch nicht eine andere Person professionell empowern kann. Dies geht bereits aus den Begriffen Selbstbemächtigung und Selbstbestimmung hervor. Trotzdem ist die Verantwortung für Veränderungen auch nicht nur an Betroffene abzugeben, da Strukturen hier eine zentrale Rolle einnehmen.
Es gibt es keine „Rezepte“ wie Empowerment funktionieren kann. Es gibt aber bewährte Konzepte von Empowerment-Räumen. Für die pädagogische Arbeit lassen sich zwei Arten von Empowerment-Räumen unterscheiden:

  1. Schutzräume

In geschützten Räumen (safe spaces) begegnen sich Menschen, die ähnliche Erfahrungen in der Gesellschaft machen und die Diskriminierungserfahrungen teilen. Diese Räume können von entsprechenden Empowermenttrainer*innen begleitet werden. Wichtig ist, dass von der entsprechenden Diskriminierung Nicht-Betroffene keinen Zugang haben.
Diese Räume dienen dazu, Folgen von Diskriminierung wie Ohnmachtsgefühle, Selbstzweifel oder Ausgrenzung sichtbar zu machen. Über vielfältige Wege wie Gespräche, Wissenserarbeitung oder Community-Arbeit wird versucht, diesen Folgen entgegen zu wirken. So werden neue Handlungsspielräume und -strategien entwickelt.

  1. Empowermentorientierte Räume
    Empowermentorientierte Räume können geschaffen werden, wenn in Einrichtungen der Empowermentansatz implementiert wird. Wichtig hierbei ist, dass Nicht-Betroffene privilegierte Fachkräfte sich auf Lern- und Professionalisierungsprozesse einlassen und Powersharing praktizieren.

Du möchtest mehr zum Thema „Empowerment“ erfahren und mit anderen Akteur*innen in den Austausch gehen? Dann ist unsere Fortbildung „How to share my Power?! EmPOWERmentorientierte Jugendarbeit“ ein möglicher Anfang für dich. Auch kannst du diese Fortbildung als Inhouse-Veranstaltung buchen.

Zum Weiterlesen
Amadeu Antonio Stiftung (2016): Einen Gleichwertigkeitszauber wirken lassen… Empowerment in der Offenen Kinder-und Jugendarbeit verstehen.
https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/w/files/pdfs/empowerment-internet.pdf

Birgit Jagusch / Yasmine Chehata (2020): Empowerment und Powersharing. Ankerpunkte – Positionierungen – Arenen. Weinheim und Basel: Beltz Juventa

Meyer, Verena (2017): Empowerment als Bildungsaufgabe. …und warum Vertrauen kein Geschenk ist! In: Empower und Mobiles Beratungsteam gegen rechts Hamburg (Hg): Rassismus als Terror, Struktur und Einstellung. Bildungsbaustein NSU-Komplex, S. 29-30 Online unter: https://hamburg.arbeitundleben.de/empower/NSU-Bildungsbaustein

 

Weitere #wissenslücken:

#Lookismus

#POLYAMORIE

#Inter*

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#crossdressing