#crossdressing

#crossdressing

Crossdressing ist eine Praxis, bei der Menschen die im binären Verständnis gegenteilige Geschlechterperformance übernehmen und pointieren.

Binarität meint hier die Vorstellung, es gäbe ausschließlich Frauen und Männer. Beim Crossdressing, das sich aus den englischen Begriffen ‚cross‘ (= kreuzen) und ‚dress‘ (= (sich) kleiden) zusammensetzt, geht es um den bewussten Wechsel von nach außen vermittelten Geschlechterrollen. Demnach tragen Männer beispielsweise Kleidung, die eher als ‚weiblich‘ assoziiert wird, und Frauen wiederum welche, die als ‚männlich‘ gilt.

 

Geschlechterperformance – Alltag für jede*n

Crossdressing verdeutlicht die ‚soziale Konstruktion von Geschlecht‘: Demnach schaffen und festigen wir alle tagtäglich die gesellschaftliche Idee von Geschlecht und unsere Vorstellungen davon, was es heißt, eine Frau oder ein Mann zu sein – doing gender.

Kleidung ist ein Teil dieser Performance, der wir uns zum Teil bewusst sind und zum Teil auch nicht. Sei es vor einem Vorstellungsgespräch oder vor einem Date: ‚Kleider machen Leute‘ ist elementarer Teil unseres Alltags und geht dabei weit über eine simple Modefrage hinaus. Es macht einen Unterschied, ob ein Mensch in Anzug, Shorts oder im Kleid auftritt – und welche Geschlechtsidentität ihr oder ihm dabei zugeschrieben wird.

Heute wird Geschlecht zunehmend als Spektrum begriffen und die Annahme, es gäbe ausschließlich Frauen und Männer, gilt als veraltet. Auch Vorstellungen vom Geschlechtsausdruck sind vielfältiger und offener geworden: Während es in vergangenen Jahrhunderten als skandalös galt, als Frau eine Hose zu tragen, lösen sich diese Vorstellungen heute mehr und mehr auf. Insofern reproduziert das klassische Crossdressing die alte Idee der Binarität der Geschlechter. Nichtsdestotrotz bietet Crossdressing auch heute noch das Potenzial, geschlechtliche Zuschreibungen in unseren Köpfen aufzubrechen.

 

Nicht alle Crossdresser*innen sind automatisch Drag Queens oder Kings

Crossdressing ist in erster Linie das Experimentieren und Spielen mit ‚geschlechtsspezifischer‘ Kleidung und kann in den verschiedensten Kontexten stattfinden. Drag ist eine Art des Crossdressings, bei der vor allem die künstlerische Inszenierung im Fokus steht. ‚Drag Queens‘ und ‚Drag Kings‘ performen als Teil eines Programms auf einer Bühne.

Ein Drag King pointiert gesellschaftliche Ideen von Maskulinität. Er kann von einer cisgeschlechtlichen Frau dargestellt werden, muss es aber nicht. Eine Erklärung zu Cis-Gender findest du hier: www.gender-nrw.de/cis-gender/. Drag Queens drehen den Spieß um, widmen ihre Performance der überzogenen Darstellung von Weiblichkeit. Sie werden häufig durch cis Männer dargestellt.

 

Nicht alle Crossdresser*innen sind auch trans*

Das Tragen bestimmter Kleidung, vor allem im Rahmen einer Performance als Crossdressing, sagt erstmal nichts darüber aus, ob sich jemand als transgeschlechtlich identifiziert oder nicht. Trans* ist ein Oberbegriff für Personen, die sich nicht oder nicht nur mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Mehr Informationen zum Thema ‚Trans*‘ findest du hier: https://www.gender-nrw.de/trans-2/

Beim Trans* Sein geht es um die Geschlechtsidentität, darum, wer man im Inneren ist. Beim Crossdressing geht es um den (vorübergehenden) Geschlechtsausdruck, es ist ein aktives Tun. Wie sich eine Person kleidet oder nach außen gibt, sagt nicht automatisch etwas darüber aus, welches Geschlecht dieser Mensch hat. Trans* ist, was du bist – Crossdressing ist, was du tust. Demnach können trans* Menschen natürlich auch Crossdressing betreiben.

Die Grenzen sind also fließend. Aus Kleidung leiten wir viele Informationen ab. Vielen trans* Menschen ist wichtig, auch so wahrgenommen zu werden, wie sie sich selbst sehen. Darum wählen sie häufig Kleidung, die mit ihrem Geschlecht in Verbindung gebracht wird. Das entspricht aber in den meisten Fällen nicht dem eigentlichen Gedanken eines klassischen Crossdressings. Stattdessen wählt ein trans* Mensch eher die zur eigenen Geschlechtsidentität ‚passende‘ Kleidung, also die, die gesellschaftlich als passend gilt. In diesem Fall geht es nicht darum, vorübergehend in eine andere Rolle zu schlüpfen, sondern in der eigenen Identität erkannt und anerkannt zu werden.

 

Warum Crossdressing?

Die Beweggründe für Crossdressing reichen vom Verkleiden als Ausdruck eines persönlichen modischen Geschmacks über politischen Protest gegen Geschlechterstereotype und -klischees bis hin zum Ausdruck einer nicht zum biologischen Geschlecht passenden Geschlechtsidentität. Andere Crossdresser haben einen Fetisch für bestimmte Kleidungsstücke oder genießen es schlicht, sich zu schminken. Die Motive sind so individuell wie die Menschen, die dahinterstecken.

Eine Möglichkeit, Crossdressing auszuprobieren, ist im Rahmen eines Workshops. Die Diplom-Sozialarbeiterin und -pädagogin Stephanie Weber hat in Kooperation mit der FUMA Fachstelle Gender & Diversität einen solchen veranstaltet. Entstanden ist dabei eine Reihe von Vorher-Nachher-Fotos, die zu einer ausleihbaren Ausstellung zusammengefasst wurde. Hier gibt es mehr Informationen dazu: www.gender-nrw.de/wanderausstellung-cross-dressing/

Interesse an einer Ausstellung?

Dann ist unsere Wanderausstellung „Wie viel Klischee steckt in dir?“ bestimmt etwas für dich.

 

Weiterlesen:

https://queer-lexikon.net/category/queer-lexikon/glossar/
https://de.wikipedia.org/wiki/Cross-Dressing
http://crossdress.transgender.at/018f81931910bea01/018f81931910cb91c/index.html
https://darialena.jimdo.com/cross-dressing/warum-cross-dressing/
https://www.lilli.ch/crossdressing

Weitere #wissenslücken:

#Tone Policing

#Tone Policing

#Mehrfachzugehörigkeit

#Mehrfachzugehörigkeit

#Allyship

#Allyship

#rassismus

#rassismus

#empowerment

#empowerment

#Lookismus

#Lookismus