#bodyshaming

Als Bodyshaming wird die Diskriminierung bzw. Beleidigung von Menschen aufgrund ihres Körpers bezeichnet. Im Englischen meint to shame jemanden beleidigen, beschämen.
Wer der idealen Norm, jung, vital, faltenfrei und dünn zu sein, nicht entspricht, wird abgewertet, beleidigt, ausgegrenzt.
Das trifft vor allem Frauen durch massiv inszenierte Schönheits- und Schlankheitsideale, aber zunehmend geraten auch Männer unter Druck.
Die Normierung und Bewertung von Körperformen unterstellt: Wer dick ist, lebt ungesund, ist unsportlich – und vermutlich auch unglücklich. Wer dünn ist, treibt viel Sport, isst wenig und ist schon allein deshalb glücklich. Dabei stimmt das eine so wenig wie das andere. 

Einfluss von Medien

In sozialen Netzwerken wie Instagram, Facebook oder YouTube werden die Eindrücke des „perfekten“ Körpers inszeniert. Egal ob zu dick, zu dünn, zu faltig, zu klein, zu groß, zu hässliche Knie oder Schamlippen: Heutzutage gibt es nichts, was nicht als hässlich empfunden werden und auch so bezeichnet werden kann.

Zeitschriften, Werbeanzeigen und Fernsehen präsentieren das zu erstrebende Idealbild. Sendungen wie „Germanys Next Topmodel“ zeigen ein völlig verzerrtes Körperbild. Kaum eine Zeitschrift verzichtet auf Diättipps, um den „Winterspeck“ loszuwerden oder im Sommer eine „Bikinifigur“ zu haben. Selbst Zeitschriften, die sich an noch ganz junge Mädchen richten, verfestigen mit Diät-Tipps oder Geschichten über Jungs, die auf dünne Mädchen stehen, das anzustrebende Ideal.

… von Modekonzernen

Die angesagteste Teenie-Modekette in den USA ist derzeit die italienische Marke Brandy Melville. Sie verkauft eine Einheitsgröße, die nur sehr dünnen Mädchen und Frauen passt. Der Erfolg der Marke ist durch die Exklusivität zu erklären: Nur wer dünn genug ist, darf diese Kleidung tragen. Der Körper wird zu einem Statussymbol. In einer Gesellschaft des Überflusses, steht das Schlanksein für Selbstkontrolle und Stärke – das schaffen nur die Stärksten und Diszipliniertesten.

… und Arbeitgeber_innen

Studien zeigen, dass schlanke und als gut aussehend empfundene Menschen beruflich größere Chancen haben. Schlanke Frauen und große Männer sind laut einer britischen Studie (http://www.bmj.com/content/352/bmj.i582) bezüglich beruflicher Position und Einkommen erfolgreicher. Bodyshaming ist im Arbeitsleben also – wenn auch nicht ausgesprochen, so doch indirekt – sehr wirksam am Werk. Dicke Menschen haben deutliche Nachteile in Bewerbungsverfahren. Ihnen wird unterstellt, weniger diszipliniert und weniger leistungsfähig zu sein.

Bin ich schön?

In der Pubertät verändern sich Körper und Körperformen. Das Selbstwertgefühl in Bezug auf den eigenen Körper, aber auch die Körperzufriedenheit nehmen ab – zunehmend auch bei Jungen. Diäten und Essstörungen können die Folge sein. (HBSC-Studienverbund Deutschland (2015). Studie Health Behaviour in School-aged Children – Faktenblatt „Körperbild und Diätverhalten von Kindern und Jugendlichen”)

Eine WHO-Studie hat gezeigt, dass etwa 50 Prozent der Jugendlichen sich zu dick fühlen, obwohl knapp 80 Prozent Normalgewicht haben. Fast 20 Prozent der Mädchen haben schon mal eine Diät gemacht. Tendenz steigend. Mit zunehmendem Alter steigt der Anteil der Mädchen, die sich zu dick finden, kontinuierlich an. US-Wissenschaftler_innen führen das auch auf die vielen Fotos in den sozialen Netzwerken zurück. Eine kanadische Studie hat belegt, dass Frauen, die mehr als 20 Stunden pro Woche online waren, dreimal so oft unzufrieden mit sich sind, als diejenigen, die sich weniger im Netz aufhielten.

Bodypositive

In den letzten Jahren entstehen immer wieder neue Bewegungen, die sich gegen Bodyshaming, Schlankheitswahn und immer makellosere Schönheitsideale zu Wehr setzen. (Siehe Bodypositive, #NotHeidisGirl, #FreeTheNipple)
Jeder Körper ist schön. Das ist das Credo der Body-Positivity-Bewegung. Ihr Ziel ist Kritik an Kampagnen und medialen Inszenierungen gertenschlanker Models und ein liebevollerer Umgang mit dem eigenen Körper, Akzeptanz und Toleranz von Verschiedenheit.

Ein Kopf der feministischen Bewegung ist etwa Lena Dunham, die mit der Serie „Girls“ berühmt geworden ist und darin selbst die Rolle der Hannah spielt. Hannah ist übergewichtig und in vielen Szenen der Serie nackt zu sehen. Die Message: Kommt damit klar, dass mein Körper nicht aussieht wie der eines Models!

Auch in Deutschland gibt es zahlreiche Frauen, die dafür kämpfen, dass das Schönheitsideal neu gedacht wird. Dazu gehört die Auseinandersetzung mit herrschenden Schönheitsidealen, aber auch die Botschaft, dass Körperbehaarung, Muttermale oder Warzen Merkmale von Schönheit sein können.

Weiterlesen:

Magda Albrecht, Autorin und Aktivistin
www.magda-albrecht.de

Blog
www.fettcast.org

Riots not Diets. Fettaktivismus zwischen Intervention und Schutzraum https://kulturwelle.net/kw031-riots-not-diets-fettaktivismus-zwischen-intervention-und-schutzraum/

Weitere #wissenslücken:

#transgender

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#cis-gender

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